Wall-Street-Banker übernimmt New Yorks größten Open-Air-Club
Wie 40 Millionen Dollar Schulden, mysteriöse Todesfälle und ein verschwundener Gründer zum Millionendeal führten.

Andrew Axelrod ist kein typischer Clubbesitzer. Der 42-jährige Fondsmanager von Axar Capital, der seine Karriere im Handel mit notleidenden Krediten an der Wall Street begann, erkannte im Brooklyn Mirage eine lukrative Investitionsmöglichkeit – und musste am Ende selbst das Steuer übernehmen.
Das Brooklyn Mirage ist kein gewöhnlicher Veranstaltungsort. Der 32.000 Quadratfuß große Open-Air-Club am Rand des sich gentrifizierenden Nord-Brooklyn hatte sich zu einem der beliebtesten Clubs Nordamerikas entwickelt. Axelrod und sein Fonds Axar Capital begannen, dem rätselhaften Clubgründer Billy Bildstein zweistellige Millionenbeträge zu leihen – insgesamt rund 40 Millionen US-Dollar.
Diese Investitionsstrategie ist kein Einzelfall. Sowohl Private-Equity-Gesellschaften als auch Hedgefonds haben in den vergangenen Jahren Milliarden Dollar in die Live-Event-Branche gepumpt. Die Überzeugung dahinter: Persönliche, unmittelbare Erlebnisse sind das Gegenmittel zur digitalen Reizüberflutung durch Smartphones und soziale Medien – und damit eine verlässliche Cashcow.
Todesfälle und Vertrauensverlust
Doch 2023 begann das Projekt zu bröckeln. Im nahegelegenen Newtown Creek wurden zwei Personen tot aufgefunden, nachdem sie das Mirage besucht hatten. In der Szene elektronischer Tanzmusik kursierten in den sozialen Medien wilde Spekulationen über einen möglichen Serienmörder, der Raver nach dem Clubbesuch verfolgte.
Gleichzeitig häuften sich operative Probleme: Übereifrige Sicherheitskräfte, steigende Eintrittspreise und überfüllte Partys vergraulten langjährige Stammgäste. Bekannte DJs buchten keine neuen Auftritte mehr, die Ticketverkäufe brachen ein. Aus dem Boom wurde ein drohender Zusammenbruch.
Den Ausschlag gab schließlich das Verschwinden von Gründer Billy Bildstein. Als Axelrod merkte, dass sein Schuldner spurlos untergetaucht war, zog er die Konsequenzen. Er erklärte Bildstein, dass ein Verkauf des Clubs unausweichlich sei.
Verkauf an AEG Worldwide für 80 Millionen Dollar
Im Herbst 2023 organisierten Banker der Investmentbank Houlihan Lokey einen Verkaufsprozess. Das Ergebnis: AEG Worldwide, das zweitgrößte Live-Event-Unternehmen der Welt, übernahm das Brooklyn Mirage für rund 80 Millionen US-Dollar. Für Axelrod bedeutet das einen Ausweg aus einem Investment, das sich gefährlich zugespitzt hatte.
Der Fall zeigt exemplarisch, welche Risiken institutionelle Investoren eingehen, wenn sie in die Nachtclub- und Eventbranche einsteigen. Hohe Renditen locken Hedgefonds und Private-Equity-Firmen an – doch die Branche bleibt anfällig für Reputationsschäden, operative Probleme und unberechenbare Gründerpersönlichkeiten.
