US-Jugendliche konsumieren trotz Legalisierungswelle weniger Cannabis
Eine neue MPP-Analyse belegt: In allen US-Bundesstaaten mit Legalisierung ist der Cannabiskonsum bei Jugendlichen gesunken – ein wichtiges Argument für Anleger der Cannabis-Branche, das regulatorische Rahmenbedingungen und Marktentwicklung miteinander ver

Entgegen den oft geäußerten Befürchtungen von Kritikern einer Freigabe ist der Cannabiskonsum bei Minderjährigen in sämtlichen US-Bundesstaaten gesunken, die Marihuana für Volljährige legalisiert haben. Dies belegt eine aktuelle Untersuchung des Marijuana Policy Project (MPP), die auf Regierungserhebungen von Bund und Einzelstaaten basiert. Die Organisation verglich den Cannabiskonsum Jugendlicher aus der Zeit vor der Legalisierung bis heute. In sämtlichen analysierten Fällen greifen heute weniger Highschool-Schüler zu Cannabis als vor der Einführung der Freigabe in ihrem Heimatstaat.
Colorado und Washington waren 2012 die Vorreiter bei der Legalisierung. Seitdem ist der Marihuanakonsum unter Highschool-Schülern im "Colorado Healthy Kids Survey" um über die Hälfte zurückgegangen – genauer gesagt um 56 Prozent. Der "Washington State Healthy Youth Survey" dokumentiert ebenfalls deutliche Rückgänge: 62 Prozent bei Achtklässlern, 73 Prozent bei Zehntklässlern und 56 Prozent bei Zwölftklässlern. Diese Werte widersprechen klar der häufig geäußerten Sorge, dass eine Legalisierung Minderjährige zusätzlich zum Konsum verleite.
Besonders aufschlussreich sind die Daten aus Massachusetts. Dort stimmen die Wähler im November über eine Volksinitiative ab, welche die Legalisierung von Marihuana wieder rückgängig machen soll. Seit Inkrafttreten der Gesetzesänderung vor einem Jahrzehnt hat sich der Cannabiskonsum unter Highschool-Schülern dort halbiert – ein Minus von 51 Prozent. Auch andere Bundesstaaten zeigen ein ähnliches Muster: In Arizona ging der Konsum unter Highschool-Schülern seit der Legalisierung um fast 60 Prozent zurück, in Michigan um knapp 50 Prozent und in Nevada um annähernd 30 Prozent.
Legaler Markt als Erklärung
Adam Smith, Geschäftsführer des MPP, führt diese Entwicklung auf marktwirtschaftliche Zusammenhänge zurück. "Das ist simple Ökonomie", erklärte Smith in einer Pressemitteilung zur neuen Analyse. "Wenn Konsumenten in den legalen Markt wechseln, geben illegale Anbieter ihr Geschäft auf. Und genau diese illegalen Händler verkaufen Cannabis an Minderjährige. Lizenzierte Geschäfte müssen sich gegenüber Aufsichtsbehörden verantworten und haben viel zu verlieren. Sie kontrollieren bei jedem Kauf den Ausweis." Der Bericht der Interessengruppe argumentiert, dass die Verlagerung des Cannabishandels von Straßen und Schulen hin zu altersbeschränkten Geschäften mit einem verminderten Zugang für Jugendliche einherging.
Der MPP-Bericht stützt sich zudem auf neue nationale Daten, die diese Woche von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) veröffentlicht wurden. Demnach liegt der Anteil der US-Highschool-Schüler, die Marihuana konsumieren, inzwischen auf einem historischen Tiefstand – und das, obwohl immer mehr Bundesstaaten Cannabis für Erwachsene legalisieren. Die am Montag veröffentlichten Bundesdaten zeigen, dass aktuell 12,9 Prozent der Highschool-Schüler Cannabis konsumieren. Als Konsum gilt dabei mindestens eine Verwendung in den letzten 30 Tagen. Das entspricht einem Rückgang von 23,1 Prozent im Jahr 2011 – dem Jahr, bevor die ersten US-Bundesstaaten Gesetze zur Freizeitmarihuana-Legalisierung verabschiedeten.
Zahlreiche Studien untermauern den Trend
Die Organisation verweist außerdem auf mehrere nationale und bundesstaatliche Jugenderhebungen. Dazu zählt die jährliche "Monitoring the Future"-Umfrage (MTF), die vom National Institute on Drug Abuse (NIDA) unterstützt wird. Die aktuellste Ausgabe, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, ergab, dass der Cannabiskonsum unter Achtklässlern, Zehntklässlern und Zwölftklässlern "stabil geblieben ist", während immer mehr Bundesstaaten die Legalisierung einführten. Diese Ergebnisse decken sich mit der "National Survey on Drug Use and Health" (NSDUH) von 2025, die im Juli veröffentlicht wurde. Sie zeigte, dass 8,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen im vergangenen Jahr Marihuana konsumiert haben – ein Rückgang von 14,2 Prozent im Jahr 2011.
"Mehr als ein Jahrzehnt nach der Legalisierung von Cannabis für Erwachsene sind die Daten eindeutig: Die Legalisierung führt nicht zu einem erhöhten Cannabiskonsum bei Jugendlichen", heißt es im MPP-Bericht. Die Organisation wies zudem darauf hin, dass zahlreiche Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben, einen Teil der Steuereinnahmen aus dem Marihuana-Verkauf für Bildungs- und Präventionsprogramme für Jugendliche reservieren. Für Anlegerinnen und Anleger im Cannabissektor ist diese Debatte von großer Bedeutung: Sie zeigt, wie regulatorische Rahmenbedingungen den Markt und das Konsumverhalten beeinflussen können – ein Argument, das auch in der europäischen Diskussion über eine Legalisierung eine zentrale Rolle spielt und langfristig die Perspektiven für Cannabis-Aktien prägen dürfte.
